Welte Kinoorgel


Welte Kinoorgel
Welte Kinoorgel Klemmbrett der Verdrahtung Welte Firmenschild Spieltisch und Rollenspieler Der Spieltisch Der Rollenspieler


Die „Welte-Kinoorgel E“ 2/11 in Siegfrieds Mechanischem Musikkabinett

Die Orgel
Bei der hier vorgestellten Orgel handelt es sich um eine Welte-Kino-Orgel, Modell E 2/11,
Baujahr 1928/29. Einweihung im Metropol-Theater, Bonn, Januar 1929.
Bis 1956 spielbar, danach durch Einbau einer Großleinwand in Vergessenheit geraten.
1978 Wiederentdeckt.
1981 verkauft an Siegfrieds Mechanisches Musikkabinett, kurze Zeit später wurde das Metropol-Theater entkernt.
1999 Beginn der Baumaßnahmen für das Stimmfilm-Kino im Musikkabinett.
2005 im November Beginn der Restaurierungsarbeiten an der Orgel.
2009 im Oktober Wiedervorstellung der Orgel

Disposition

I Manual
Flöte 16’
Vox Coelestis 8’
Viol d’Orchestre 8’
Geige 8’
Viola 8’
Travers Flöte 8’
Bordun Horn 8’
Vox Humana 8’
Oboe 8’
Saxophon 8’
Violine 4’
Viola 4’
Flöte 4’
Oboe 4’
Vox Humana 4’
Sesquialter 2 2/3
Flagoeolett 2’
Harfe

 

Schlagwerk
Pauke
Große Trommel
Becken stark/schwach
Kleine Trommel
Tambourin
Holzblock
Schlittenschellen
Gong stark
Gong schwach
Gong Wirbel
Große Glocke
Xylophon
Stahlharmonika
Castagnette

II Manual
Bordun 16’
Clarinette 16’
Saxophon 16’
Vox Humana 16’
Vox Coelestis 8’
Geige 8’
Viola 8’
Travers Flöte 8’
Bordun Horn 8’
Oboe 8’
Saxophon 8’
Vox Humana 8’
Geige 4’
Horn 4’
Oboe 4’
Geige 2’
Sesquialter 2 2/3
Piccolo 2’

 

Kinoeffekte
Glockengeläute
Vogelgesang I + II
Telefon
Alarmsignal
Kleine Sirene
Schiffsirene
Claxon (Hupe)
Eisenbahn
Lokomotivpfiff
Wassergeräusch
Regen
Sturm
Donner

Pedal
Still Gedeckt 16’
Sub Bass 16’
Fagott Bass 16’
Cello 8’
Geigen Bass 8’
Flöten Bass 8’
Saxophon 8’
Cornett Bass 5 1/3
Octavbass 4’

 

Spielhilfen
P zu I
I zu P
II zu P
II zu I
II zu I Super
I Super
II Super
8 feste Kombinationen
2 freie Kombinationen
Tremolo I + II
Vibrato I + II

 

Die Firma Welte
Die Firma Welte wurde im Jahr 1832 von Michael Welte gegründet und stellte zu Beginn Flötenuhren und Walzenflötenwerke her. 1872 wurde die Firma von Vöhrenbach im Schwarzwald nach Freiburg im Breisgau verlegt, da die Produktion so gewachsen war, dass größere Räumlichkeiten nötig wurden und eine bessere Verkehrsanbindung für die Materialbeschaffung und den weltweiten Versand der Musikwerke. 1883 wurde die Steuerung der Musikwerke durch gelochte Papierstreifen (Notenrollen) patentiert, was einen nochmaligen Aufschwung brachte.

1904 ließ sich die Firma Welte ihr Welte-Mingon-Reproduktionsklavier patentieren. Damit war es das erste Mal möglich, das Spiel eines Pianisten absolut naturgetreu wiederzugeben. Kurze Zeit später wurde dieses Verfahren auch auf die Orgel angewandt, es entstand die Welte-Philharmonie-Orgel. Nach dem Ersten Weltkrieg erfuhr die Musikwerkeindustrie noch einmal einen Aufschwung. Er sollte jedoch nicht lange andauern, da die Erfindung des Radios und elektrischer Schallplattenspieler das Geschäft mit den aufwendigen Instrumenten nahezu zum Erliegen brachte. Auch die Herstellung von Kinoorgeln konnte den Niedergang nicht mehr aufhalten, da etwa zur gleichen Zeit der Tonfilm eingeführt wurde. Die einsetzende Inflation und die Weltwirtschaftskrise taten ein übriges.

Nachdem 1932 ein Konkurs gerade noch abgewendet werden konnte, wurde nach dem Austritt von Edwin Welte die Firma von Karl Bockisch stark verkleinert weitergeführt. Man baute nun Kirchen- und Spezialorgeln aber auch Schallplattenspieler.

1944 wurden die Werksgebäude durch Bomben komplett zerstört und damit auch die von der Firma geheim gehaltenen Aufnahmegeräte für das Mignon-System. 1949 wurden die Geschäfte in bescheidener Form wieder aufgenommen, bis der Betrieb nach dem Tod von Karl Bockisch 1952 endgültig eingestellt wurde und die Firma Welte nach 120 Jahren erlosch.

Die Restaurierung
Schon als wir die Orgel 1981 erworben hatten, planten wir, sie zusammen mit anderen mechanischen Musikinstrumenten zur Stummfilmbegleitung in einem Kino zu präsentieren. Es dauerte schließlich bis 2005, bis die Räumlichkeiten für dieses Kino geschaffen waren.

Im November 2005 konnte dann die Orgel das erste Mal wieder aufgestellt werden, um eine Bestands- und Zustandsaufnahme zu machen. Die fehlenden Pfeifen wurden aufgelistet und diese Liste, zusammen mit den noch vorhandenen Pfeifen derselben Register an eine große, renommierte Orgelbaufirma gegeben, um die fehlenden Pfeifen zu ersetzen. Dadurch, dass genügend Originalpfeifen vorhanden waren, war es möglich, die fehlenden Pfeifen originalgetreu zu rekonstruieren. Nach dem ersten Aufbau wurde die Orgel wieder abgebaut und in ihre Einzelteile zerlegt. Alle Holzteile wurden gesäubert und neu mit Schellack lackiert. Alle Dichtungen wurden erneuert, sämtliche Ventiltaschen für die Pfeifen wurden mit Leder bezogen, die Ventile selbst erhielten eine neue Belederung. Sämtliche elektrischen Ventile wurden gesäubert, erhielten neue Dichtungen und wurden kontrolliert. Nicht mehr funktionsfähige Ventile wurden repariert und – sofern dies nicht möglich war – durch baugleiche neue ersetzt, welche glücklicherweise heute noch in den USA zu beziehen sind.

Der Relaisschrank, welcher die Zuordnung der Pfeifen zu den Tasten vornimmt, wurde ebenfalls komplett zerlegt. Auch hier wurden alle Dichtungen erneuert und sämtliche Schaltbälge neu mit Leder bezogen. Des weiteren wurden Kontaktschienen und Kontaktrechen sorgfältig gesäubert, um eine zuverlässige Funktion zu gewährleisten. Genauso wurden auch die Spieltische, die Spezialeffekte und das Schlagwerk komplett überholt, so dass sich die Orgel wieder in einem Zustand befindet, wie sie wohl auch vor nunmehr 80 Jahren die Fabrik verlassen hatte. Als alle diese Arbeiten erledigt waren, gingen wir daran, die Orgel – diesmal endgültig – wieder aufzubauen. Jetzt mussten auch die Kanäle für die Windversorgung der einzelnen Komponenten angepasst werden und die Windanlage mit ihren drei großen Magazinbälgen im Keller unter der Orgel platziert werden. Hier fand auch der große Relaisschrank seinen endgültigen Platz.

Die interne Verdrahtung in den Spieltischen und dem Relaisschrank konnten wir original erhalten, nicht jedoch die Verbindung zwischen diesen und den Windladen. Hier mussten sämtliche Kabel neu verlegt werden, was einen ziemlichen Zeitaufwand bedeutete.

Nachdem die Arbeiten abgeschlossen waren, wurden die Pfeifen – beginnend mit den großen Basspfeifen – nach und nach wieder eingebaut und gestimmt. Abschließend musste noch eine finale Intonation vorgenommen werden. Erst diese zeitraubende und mühevolle Arbeit macht ein Instrument wie dieses zu einem Hörgenuss.

Abschließend bleibt zu sagen, dass ein Instrument, welches sonst sicherlich den Abrissbaggern zum Opfer gefallen wäre, wieder in altem Glanz und ganzer Tonfülle zu bewundern ist. Auch wenn es letztlich fast 30 Jahre gedauert hat, so hat es sich auf jeden Fall gelohnt.


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